Ausgabe 8
Ehemalige Offenstettener Schlossherrin gestorben
Aus Offenstetten informiert 8 - August 2010
(ph) Am 12. Juni ist die ehemalige Schlossherrin Daisy Schlitter in München gestorben. Daisy Schlitter entstammte einer alten Adelsfamilie. Als Daisy Baronesse von Freyberg-Eisenberg wurde sie am 27. Februar 1913 in Potsdam geboren. Im Alter von 15 Jahren wurde sie von Regisseur Georg Wilhelm Pabst für den Film entdeckt und unter dem Künstlernamen „Daisy d’ Ora“ bekannt. 1931 wählte man sie in Berlin zur „Miss Germany“. Im Jahr darauf heiratete sie den Botschaftsrat Oskar Schlitter. Aus der Verbindung gingen die Kinder Marion und Alexander hervor. Ihr Gatte Oskar starb bereits 1970, Tochter Marion von Cramm im Jahre 1984. Durch den diplomatischen Dienst lebte die Familie viel im Ausland, nach dem Krieg war Oskar Schlitter Botschafter in Großbritannien und Griechenland.
1939 hatte das Ehepaar Schlitter Schloss und Gut Offenstetten von Ilse Gräfin von Tauffkirchen erworben. Nach Kriegsende wurde das Schloss von den Amerikanern beschlagnahmt und darin eine Offizierschule eingerichtet. Daisy Schlitter bot das Schloss Bischof Michael Buchberger
zu kirchlichen Zwecken an und an Weihnachten 1945 kam Monsignore Michael Thaller, der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, zum ersten Mal nach Offenstetten. Dies war faktisch die Geburtsstunde des „Cabriniheimes“.
Die eigentliche Gründung des Flüchtlingskinderheims erfolgte am Gründonnerstag 1946, als drei heimatvertriebene Schwestern vom Heiligen Kreuz aus Eger das von den Amerikanern geräumte Gebäude bezogen. Daisy Schlitter übernahm das Patronat. Die ersten Kinder kamen am 7. Juli. Der Vorschlag, das Heim nach der ersten amerikanischen Heiligen, der italienischen Ordensfrau Francesca Xaverio Cabrini zu benennen, kam von Daisy Schlitter. Sie hatte in einer amerikanischen Zeitschrift gelesen, dass Mutter Cabrini am 7. Juli in Rom von Papst Pius XII. heilig
gesprochen wird. Wenn sie auch schon lange in München lebte, war Daisy Schlitter „nicht nur mit dem Herzen Offenstetterin oder Abensbergerin
geblieben“, wie sie immer betonte, sie hatte auch immer noch ihren ersten Wohnsitz in Offenstetten. „Ich muss deshalb für meine eigene
Wohnung in München Zweitwohnungssteuer bezahlen, aber das ist es mir wert und schließlich fällt es ja nicht jeden Monat an“, bemerkte sie anlässlich ihres 95. Geburtstages. Aufgrund ihrer großen Verdienste um das Kinderheim und das heutige Sonderpädagogische Zentrum sowie um die ehemalige Gemeinde Offenstetten wurde sie 1992 von der Stadt Abensberg mit dem Goldenen Ehrenring ausgezeichnet.
Am 17. Juni fanden die Trauerfeierlichkeiten für Daisy Schlitter statt. In der Pfarrkirche St. Vitus würdigten Pfarrer Alois Hammerer, Daisys Enkel Alexander von Cramm, Schwester Sieglinde Gabriel und Bürgermeister Dr. Uwe Brandl das Lebenswerk der Verstorbenen. Der Männergesangverein „Harmonie“ gestaltete das Requiem mit der Schubert-Messe. Dies sei eine Verpflichtung aus dem Jahre 1990, erklärte MGV Vorstand Ludwig Kropf. Anschließend wurde Daisy Schlitter in der Familiengrabstätte auf dem Offenstettener Friedhof beigesetzt.